Motorausbau


Seit ich die letzte Geschichte eingestellt habe, habe ich viel an meinem White gearbeitet, z.B die Luftfederbälge an der Hinterachse erneuert, Bremsennachsteller überholt, und Federspeicherbremszylinder montiert.
Leider sind meine schon seit längerer Zeit bestellten Stoßdämpfer noch nicht geliefert, mein Ersatzteillieferant vertröstet mich von Woche zu Woche und ich bin mit dem hinteren Teil des Rahmens immer noch nicht fertig. Knirsch, grummel,grummel.

Um die Wartezeit bis zur Lieferung sinnvoll zu überbrücken, entschloss ich mich kurzfristig, schon jetzt den Motor samt Getriebe auszubauen, um so bald wie möglich auch den vorderen Teil des Rahmens überarbeiten und meine defekte Kupplungsbremse austauschen zu können.


Kupplungsbremsen werden nur bei angeflanschten, unsynchronisierten Schaltgetrieben verbaut, damit beim Anfahren der Gang geräuschlos und ohne großen Kraftaufwand eingelegt werden kann. Um die Kupplungsbremse überhaupt zu aktivieren, muss zum Einlegen des Anfahrganges das Kupplungspedal bis zum Anschlag durchgetreten werden. Während des Fahrens sollte beim Gangwechsel das Kupplungspedal nur bis maximal ¾ zum Anschlag durchgetreten werden, damit die Kupplungsbremse nicht ruiniert wird.


Vor Ausbau des Motors waren diverse Vorarbeiten zu erledigen. Zuerst baute ich den etwa 100 kg schweren Kühler in zwei Stunden aus. Glücklicherweise verlief der Ausbau relativ problemlos. Danach schraubte ich an der Einspritzpumpe die Kraftstoffleitungen und die Drehzahlmesserwelle sowie beim Luftpresser die Luftleitungen ab. Nun konnte ich die Versorgungsleitungen an der Lenkungspumpe entfernen.
Außerdem baute ich noch das Kupplungs- und Gasgestänge aus und löste die elektrischen Leitungen am Anlasser.
Danach schraubte ich das vordere Motorlager und die beiden seitlichen Getriebelager aus.

Um den Motor in einem Rutsch zusammen mit dem Getriebe aus dem Rahmen hieven zu können, brauchte ich die Hilfe meines Cousins Martin und seinem Kran.
Der Motor ist ja nun einmal kein Leichtgewicht, er bringt locker 1350 kg auf die Waage. Zusammen mit dem Getriebe addiert sich das Gewicht auf etwa 1850 kg.


Die große Schwierigkeit bei unserer Ausbauaktion bestand darin, dass der Motor samt Getriebe schräg nach hinten abfallend eingebaut ist und zwischen Motor und Rahmen wenig Platz vorhanden ist. Der Motor musste also genau in diesem Winkel bis über das Getriebelager angehoben werden, danach etwa 10 cm nach vorne geschwenkt, damit das Getriebe nicht an der hinteren Traverse hängen bleibt.

Martin und ich brauchten einige Zeit bis wir, mit Hilfe von jeder Menge Gurten und Schäkel, unserer Meinung nach den Schwerpunkt der Antriebseinheit korrekt bestimmt hatten. Endlich konnten wir beginnen. Nachdem wir den Motor bis über das Getriebelager angehoben hatten, stellte ich entsetzt fest, dass zwar der Schwerpunkt genau getroffen war, der Hebel für die Kupplungsbetätigung aber trotzdem am Getriebelager nicht vorbeiging.
Also musste ich den Hebel von der Welle abziehen. Das hört sich erstmal eher leicht an – aber den Satz „Das sollte leicht machbar sein“ habe ich bei meinen Arbeiten an meinem White ja schon häufiger bereut…
Da nämlich die Verzahnung der Welle stark korrodiert war, ließ sich der Hebel trotz unmäßigem Einsatz von WD-40 nur mit sehr viel Zeit- und Kraftaufwand entfernen. Trotz meinen vielen Vorarbeiten dauerte die Aktion jetzt viermal so lange wie geplant.

Jetzt liegen Motor und Getriebe auf Holzbohlen gelagert in meiner Halle. Die Lichter habe ich vorsorglich gedimmt, um mir den Motor nicht allzu genau ansehen zu müssen.
Ich habe irgendwie die Befürchtung, ich könnte Ersatzteile dafür brauchen…