Einbau der Schwingen


Um die Teile einzeln lackieren zu können, hatte ich natürlich die Bolzen entfernt, die die Schwingen am Achslagerbock befestigten.
Weil die alten Bolzen aber total festgefressen waren, musste ich sie zum Entfernen stark erhitzen.
Danach waren die alten Bolzen natürlich zu nichts mehr zu gebrauchen, nach so einer Behandlung verliert der Stahl seine Festigkeit und wird spröde.
Also waren auch gleich neue Bolzen fällig.
Wie ich dann beim Ausbauen verwundert feststellte, hatten die alten Bolzen auch einen vollkommen falschen Durchmesser.


Auf Nachfrage erzählte mir der Vorbesitzer, dass er vor einigen Jahren in einer syrischen Werkstatt eine Notreparatur vornehmen musste.
Dort hatten die Mechaniker nur metrische statt der benötigten zölligen Schrauben zur Verfügung. Also verwendeten sie kurzerhand dünnere Schrauben und statteten die Hülsen mit einer Büchse aus, um sie so für die dünneren Schrauben passend zu machen.
So nutzte ich zähneknirschend die Gelegenheit, die Folgen der Reparatur wieder rückgängig zu machen und die Schwingen wieder so umzubauen wie White das vorgesehen hatte.
Wie immer ging alles nicht so einfach. Die Ersatzschrauben passten nicht genau und ich musste an ihnen einiges nacharbeiten. Den Durchmesser am Gewinde drehte ich zwecks Rundlaufgenauigkeit etwas ab und entfernte Teile des Schraubenkopfes, damit ich die Schraube um die kritischen 5 Millimeter verlängern konnte. Ohne diese fünf Millimeter würde das zweite Lagerschild auf dem Gewinde liegen, was dazu führt, dass die Schraube brechen kann.


Da ich die Schrauben schon mal in der Mache hatte, versah ich sie auch gleich mit Schmiernippel. Dazu machte ich zwei Bohrungen in die Schraube, eine längs des Schaftes und die zweite quer dazu, so dass sich die Bohrungen trafen. Jetzt konnte man vom Schraubenkopf aus das Schmiermittel in das Lager pressen.
Nach dieser Nachbearbeitung gingen die Schrauben erstmal zum Brüniernen zu einem mit mir befreundeten Büchsenmacher.


Die Schwingen brauchten auch neue Metallgummilager. Weil ich diese nicht selber einpassen konnte, überließ ich diese Arbeit einer Reparaturwerkstatt, die über eine Presse mit den erforderlichen 100 Tonnen Anpressdruck verfügte.
Die mit den neuen Lagern versehenen Schwingen verschraubte ich zuerst mit dem Hilfsrahmen. Hierfür verwendete ich neue 1.5“ Schrauben.
Ein Abenteuer für sich war auch, die Schrauben in der erforderlichen Festigkeitsklasse zu bekommen; inzwischen nennt mich mein Schraubenhändler beim Vornamen….


Beim Einpassen des Hilfsrahmens musste ich ziemlich rumfummeln. Die Schwingen wogen einzeln etwa 60 Kg und zusammen mit dem Hilfsrahmen kam die ganze Konstruktion auf etwa 180 Kilo. Bei diesem Gewicht war es für mich natürlich sehr schwierig, die Schwingen in die Achslagerböcke einzupassen, da das Lager im Achslagerbock nur 0,1 mm Spiel hatte. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Gummihülsen nicht wirklich winkeltreu saßen, was aber normal war.
Langsam und vorsichtig hievte ich nun mit einer Winde die Schwingen in Richtung der Achslagerböcke und fummelte so lange die Bolzen in die Löcher, bis sie festsaßen. Hört sich einfach an, aber dank des Gewichtes der Schwingen und der nicht ganz geraden Lagerbüchsen dauerte die ganze Aktion geschlagene neun Stunden.


Die Arbeit hätte sich zwar mit einem Vorschlaghammer deutlich beschleunigen lassen, aber das Risiko nachher in einem Lkw zu fahren, der eventuell Mikrorisse in den Bolzen hat, die die Achse halten, wollte ich dann doch nicht eingehen.
Außerdem beschädigt man beim Einschlagen fast zwangsläufig die Gewinde, so dass sich die Muttern nachher nicht mehr sauber aufschrauben lassen.


Nachdem die Schwingen endlich in den Lagerböcken saßen, konnte ich die Hinterachse einlegen. Dazu musste ich den ganzen Rahmen erstmal aufbocken, damit ich die Hinterachse zwischen Rahmen und Hilfsrahmen schwenken konnte (die Achse ist etwa 60 Zentimeter hoch). Ein wenig zusätzliches Spiel wollte ich dann auch noch haben, um den neuen Lack nicht gleich zu vermacken.
Mithilfe des Kranes von meinem Cousin Martin hievten wir die Achse vorsichtig Stück für
Stück in Richtung der Achsaufnahme des Hilfsrahmens und nach gut 20 Minuten war auch diese Arbeit erledigt.
Alles was jetzt noch fehlte, war die Achse noch mit einer Platte an den Hilfsrahmen zu schrauben.
Und jetzt kommt die spannende Frage: Welche Schrauben fehlen dazu wohl noch?
Genau. Sind bestellt.

Weiter geht's im nächsten Teil.