Swiss Truck Shows



Die folgenden Bilder besorgte uns Herrn Günter Sattler, der sie freundlicherweise von seinem Freund Daniel Steiner zu unserer Verfügung gestellt bekam.
Herr Steiner bewirtschaftet inzwischen erfolgreich den Landgasthof Löwen in Mülchi.
Wogegen Herr Sattler seinen wohlverdienten Ruhestand geniest, und uns bei dem Ausbau dieser Seite stets unterstützt.

Danke Günter.




Beide arbeiteten bei der Firma Lastfahrzeug AG. Herr Sattler als Werkstattchef und Herr Steiner als Lastwagenverkäufer.
Zu den Bildern:
In den 80ziger Jahren wurden Whites in der ganzen Schweiz auf diversen Fahrzeugmessen präsentiert.

Die Fotografien entstanden 1982 im Autosalon Genf.
Zur Zeit dieser Aufnahmen entwickelte sich in der Schweiz eine große White Fangemeinde.


Dies hatte viele Gründe:
Zum einen schrieb die Schweiz zur damaligen Zeit ein Gewichtslimit von 28 Tonnen Gesamtgewicht vor. Ein White war aber rund 1500 Kilo leichter als ein vergleichbares Produkt der Konkurrenz - was natürlich einen enormen Vorteil bei der maximalen Zuladung bot.


Zudem warb die White Motor Corporation mit einer robusten und tausendfach bewährten Technik, die sowohl im eiskalten Alaska als auch in der Hitze Arizonas problemlos funktioniert. Somit wurde eine hohe Zuverlässigkeit über viele Jahre versprochen.
Zur besonderen Ausstattung gehörte auch das Aluminium Fahrerhaus sowie ein bogenförmig um den Fahrersitz verlaufendes Armaturenbrett - damals eine ebensolche Seltenheit wie die ebenfalls angebotenen Aluminium Radnaben, Aluminiumfelgen und die Klimaanlage.



Weitere Pluspunkte des Whites waren die Kraftstofftanks aus Aluminium, die verchromten Spiegel und getönten Scheiben.
Diese Vorzüge besaßen damals nur die White Trucks; die anderen Hersteller stellten ihre Fahrerhäuser und Tanks noch aus Stahlblech her.
Nicht zuletzt konnte sich jeder Käufer eines Whites seine Farb- und Dekorgestaltung aus zahlreichen Varianten auswählen, woraus sich eine schier unglaubliche Zahl an Möglichkeiten ergab. Kaum ein White glich dem anderen.



Es musste viel getan werden, um die Zulassungsvorschriften der Schweiz zu erfüllen.

Günter erzählte uns dazu:
Die Fahrzeuge wurden mit einer Schweizer-Anhängerbremsanlage ausgerüstet.
Abschleppvorrichtung oder Rangierkupplung vorne und hinten montiert.
Standheizungen eingebaut. Reserveradhalter und Werkzeugkästen montiert.
Radstände verkürzt oder verlängert, Rahmen und Traversen angepasst.


Der Spurkreis war ein Problem, egal wie
lang der Radstand eines 2 Achs-Fahrzeug war, der Spurkreis von 18 Meter durfte nicht überschritten werden.
Fahrzeuge mit mehr als zwei Achsen mussten 20 Meter einhalten.
In den USA gab es dafür keine Vorschrift, denn dort wird meistens geradeaus gefahren.



Wir mussten praktisch an allen Fahrzeugen zuerst das Lenkgetriebe in die Mitte stellen, die Anschläge der Hydraulik und den Lenkhebel genau ausrichten, da war jeder Millimeter gefragt.

Für Fahrzeuge mit langem Radstand haben wir neue längere Lenkstockhebel in der Schweiz schmieden und bearbeiten lassen.
Der Spurkreis wurde bei jeder Prüfung im Expertenbüro für eine Neuzulassung nachgemessen.


Was haben wir alles angestellt um die Fahrzeuge durch die Typenprüfung zu bringen?
Da waren die Motorbremse und der Lüfter zu laut, die Verzögerung der Motorbremse zu
wenig, wenn im falschen Gang gefahren wurde. Die Lufthörner wurden extra typisiert. Die Lampen auf dem Dach mussten wirksam außer Betrieb gesetzt werden.



Wir haben Fahrzeuge, wenn sie auf Nebenstrassen fahren sollten, auf 2300 mm Breite umgebaut.
Es war eine interessante Zeit und wir waren damals ein gutes Team bei der Lastfahrzeug AG in Lyss.



Eine Anekdote noch zum Schluss:
Aus den Reparaturanleitungen kann man ersehen, dass schon recht früh ABS für die White Trucks erhältlich war - in den US Fahrzeugen wurde es allerdings nicht standardmäßig eingebaut.
Anlässlich eines Besuches in den Montagewerken von White in Amerika fragte ich danach. Die Antwort war einfach und erstaunlich:


Nachdem White angefangen hatte, ABS in ihre Trucks einzubauen, häuften sich die Auffahrunfälle durch PKWs - die PKWs, die ja alle noch kein ABS hatten, hatten auf einmal einen deutlich längeren Bremsweg als die Trucks. Daraufhin wurde ABS nur noch auf Kundenwunsch und nach Warnung eingebaut.