Ersatzteillager


Mit meinen Freunden Jakob und Marcel hatte ich schon seit längere Zeit geplant, uns einen alten White als Ersatzteillager zuzulegen. Wir mussten lange nach einem geeigneten Objekt suchen.

Am Karfreitagmorgen 2008 rief Jakob mich ganz aufgeregt an, dass er in Zürich-Schlieren durch Zufall einen White entdeckt hätte, der für unsere Zwecke geeignet sein könnte. Er wisse aber nicht, ob es sich bei diesem Fahrzeug nun um einen Road Commander oder um einen Western Star handelt, da beide Fahrzeuge ja zu 95 % baugleich sind.
Nach diesem Anruf brauste ich selbstverständlich sofort nach Zürich. Bei der Besichtigung bemerkten wir, dass beim Fahrzeug die unteren Aluteile der Kabine durch tiefere Stahlblechteile, sowie die Originalscheinwerfer durch rechteckige Doppelscheinwerfer ausgetauscht waren. Darum wirkte er auf den ersten Blick wie ein Western Star COE. Jakob und ich konnten ihn dann, durch die unterschiedlichen Kabinenmerkmale eindeutig als einen White Road Commander identifizierten. Seinen optischen Zustand zu beschreiben, schenke ich mir. Jakob sagte dazu nur ein Wort: „Katastrophal“.

In den nächsten Tagen recherchierte Jakob die Vorgeschichte des Fahrzeugs. Er erfuhr unter anderem, dass dieser White mehrere Jahre als Dekoration in einer Diskothek in Dübendorf stand. Außerdem erfuhr er, daß der White nach unserer Erstbesichtigung nach Oberiberg verlegt worden war.
Im Frühjahr 2009 war es nach vielem Trara endlich soweit, dass Jakob und Marcel mit dem Besitzer handelseinig wurden.

Bald danach bekam ich folgende Mail von Jakob:

„OK, wir werden das Ding am 30.Mai in Oberiberg abholen.
Den Tiefgänger stellt der Egger, der hatte auch einmal einen White.
Als Zugmaschine nehmen wir entweder Dubachs White, den Road Boss von Sallin oder einen Volvo von Jakob
Ich organisiere eine Garagennummer (natürlich mautfrei!)
Kohle: Pro Nase 700.- (Sfr)
Abfahrt: 30.5.09 um 05.00 Uhr in der Region Fribourg
Vorgehen: Zwei Mann im Lkw und ein Mann als Vorauskommando im PKW
Ankunft: Etwa 10.00 Uhr in Oberiberg
Nachdem Aufladen sofort Antritt der Rückreise, danach Abladen des Schrottes bei Marcel oder mir.
Letztendlich Beute aufteilen: Dazu Feilschen vor Ort

Wenn du möchtest, können wir danach bei mir zu Hause einen gepflegten Herrenabend, beste Ehefrau ist in Paris, mit Speis, Trank und Gesang veranstalten.“

Er hatte die Aktion mit Schweizer Präzision bis ins letzte Detail geplant.

Kurz vor dem großen Tag hatte Marcels White plötzlich Probleme mit dem Motor und Herr Sallin musste mit seinem Road Boss nach Frankreich. Glücklicherweise half uns ein Bekannter mit einer geeigneten Zugmaschine aus, die eine zum Anhänger passende CH-Bremse besaß. Damit konnten wir den Tiefgänger, der uns von Herrn Beat Egger zur Verfügung gestellt wurde, ziehen. Herr Egger besaß selbst früher vier White Road Commander und ist heute noch ein bekennender White Fan.
So konnten wir drei wie geplant am Samstag um 5.00 Uhr morgens losfahren. Eine Stunde früher als erwartet erreichten wir unseren Zielort. Glücklicherweise gab es davon keine Fotos.

Zuerst rangierten wir den Tieflader vor den White, um ihn mit der nun abgehängten Zugmaschine hochzuziehen. Leider drehten die Räder der Zugmaschine wegen der fehlenden Achslast durch. Jetzt mussten wir uns anders behelfen. Zu unserem großen Glück wurde im nahe gelegenen Steinbruch, obwohl es Samstag war, noch gearbeitet. Nach unserer Anfrage stellte sich ein Arbeiter mit seinem Radlader sofort zur Verfügung, und er zog unsere wertvolle Fracht in Windeseile auf den Tiefgänger. Was jetzt noch folgte war für uns ein Kinderspiel. Wir verzurrten als erstes vorschriftsmäßig unsere Fracht. Da wir jetzt aber die vorgeschriebene Maximalhöhe von vier Meter überschritten hatten, musste Marcel noch den Ansaugschnorchel abmontieren.

Auf unserer Heimfahrt musste Jakob mit seinem Gespann des öfteren präziseste Milimeterarbeit leisten, da viele Dorfstraßen doch sehr schmal sind. Wir brachten die Aktion aber trotz unserer Befürchtungen gut über die Bühne, ohne irgendwo bauliche Schäden zu verursachen.
Auf gut Deutsch, wir rammten keine Häuserwand und blieben nirgendwo hängen.
Überraschenderweise wurden wir in Jakobs Heimatort schon vom Besitzer der geliehenen Zugmaschine erwartet. Wir erfuhren dann, dass wir während unserer „Tour de Suisse“ öfters
von verschiedenen LKW-Fahrer, die seine Maschine kennen, geortet wurden und ihn dann per Handy über unseren jeweiligen Standort informierten.
Wir möchten uns noch mal für die zu unserer Verfügung gestellten Fahrzeuge bedanken.