15 Jahre auf Achse




Den folgenden Film, die Bilder und die Hintergrundgeschichte stellte uns
freundlicherweise Herr Markus Trummer zur Verfügung.

Markus fuhr viele Jahre als Fernfahrer für verschiedene Schweizer Unternehmen.
1981 kaufte Rene Javet, Markus damaliger Chef, einen White RC Dieser wurde Markus als sein zukünftiger Dienst-LKW präsentiert.

Hier seine Geschichte:

„Der Anlass für den Kauf des WHITE war die Besichtigungsreise im Jahre 1981 der Firma Lastfahrzeug AG zu White Corporation nach Amerika, an der auch mein damaliger Chef teilnahm.
Kurz nach der Heimreise kaufte René Javet eine WHITE Sattelzugmaschine, die ein Vorführmodell und darum sofort verfügbar war.


Zu dieser Zeit fuhr ich bei Javet mit einem MAN-Büssing Unterflur, der schon über eine Million Kilometer gelaufen ist und darum ausgetauscht werden sollte.
Herr Javet holte Offerten bei Volvo, Saurer (ja damals konnte man noch neue Saurer kaufen) und der Lastfahrzeug AG ein.
Die Lafag machte das beste Angebot. Volvo hatte Lieferschwierigkeiten, weil sie einen Großauftrag für die Firma Krummen zu erledigen hatten. Und die Marke Saurer war ganz schlicht und ergreifend viel zu teuer.
Aus diesen Gründen entschied sich Herr Javet im Herbst 1981 für einen White mit Andres-Pritsche, der damals 195000,-- Schweizer Franken kostete.
Außerdem konnte er schon Ende März 1982 geliefert werden.



In den 80ziger Jahren fand jährlich immer Anfang März in Genf der so genannte LKW-Salon statt. Jeder teilnehmende Fahrzeugunternehmer präsentierte auf diesen Ausstellungen voller Stolz ein Fahrzeug mit den Firmenfarben, was gleichzeitig eine gute Reklame war.



Zusammen mit meinem Chef besuchten wir die Ausstellung. Mein Chef präsentierte mir den White Dreiachser als mein neues Dienstfahrzeug und setzte mit der Aussage, dass nur ich ihn fahren sollte, sogar noch eins drauf.
Natürlich wurde von Neidern behauptet, dass ich den RC innerhalb zwei Wochen in den Straßengraben fahren würde. Gott sei Dank passierte mir das nicht. Ich fuhr ihn 15 Jahre, über eine Strecke von insgesamt 1,5 Millionen km im Linienverkehr Basel –Köln- Wuppertal und zurück – unfallfrei.“



1984 wurden die beiden Whites von der Firma Retra Muttenz AG gekauft, die mich ebenfalls übernahm. So konnte ich mit dem gleichen Fahrzeug weiterhin dieselbe Arbeit machen. Ursprünglich wollte der Chef der Retra die beiden Whites durch MAN ersetzen - stattdessen kaufte er ein Jahr später einen dritten White.
1993 konnte ich meinen White ablösen und fuhr als Subunternehmer für die Firma ATT Luftfracht.
Schweren Herzens verkaufte ich den White 1997, da es immer schwieriger wurde an Ersatzteile ranzukommen (die Firma Lastfahrzeug AG, der offizielle Importeur von White Ersatzteilen in der Schweiz, stellte 1994 den Verkauf ein).



Den darauf folgenden Scania fuhr ich bis Ende 1999; in diesem Jahr hörte ich dann wegen der Einführung der Schwerverkehrsabgabe auf, als Fernfahrer zu arbeiten.
Als Herr Javet damals den White kaufte, gab es Viele, die an White Kritik äußerten. Zum Beispiel wurden die Alufelgen bemängelt, eine damals revolutionäre neue Technik. Schon einige Jahre später waren diese Felgen auch bei anderen LKWs „normal usual standard“.



Aus vielerlei Gründen fuhr ich aber am liebsten White.
Erstens war es ein äußerst zuverlässiges Fahrzeug, das in der ganzen Zeit nur einmal, mit einem Getriebeschaden, liegen geblieben ist. Ansonsten ist mein White immer gelaufen. Zweitens gefielen mir die langen Service Intervalle: Ich musste nur alle 60000 km Öl und Ölfilter wechseln. Andere Lkws, die ich gefahren habe, benötigten alle 10000 km einen Wechsel. Drittens war auch die Nutzlast höher als bei anderen Dreiachsern mit zwei Triebachsen.



Toll fand ich besonders die Jakobs Motorbremse mit ihrem einmaligen Sound.
Auch gefiel es mir natürlich, dass der White, besonders in Deutschland, viel bestaunt wurde.
Wenn ich auf einen Firmenhof fuhr, kam immer jemand um einen bewundernden Blick auf meinen White zu werfen.

Je älter der White wurde, desto lieber bin ich mit ihm gefahren.