Kurt Weiss


Mein Freund Markus Trummer, schickte mir vor einiger Zeit Fotografien aus den 80ziger Jahren, auf denen Whites aufgenommen waren. Als ich mir die Bilder anschaute, erwachte sofort mein Interesse und ich wollte unbedingt in Kontakt mit dem damaligen Besitzer dieser Fahrzeuge treten.

Nachdem ich lange recherchiert hatte, erfuhr ich, dass der ehemalige Besitzer Kurt Weiss hieß, und nach mehreren telefonischen Fehlversuchen, hatte ich ihn tatsächlich in der Leitung. Herr Weiss lud Beate und mich, nachdem ich ihm mein Anliegen erklärt hatte, spontan ein, ihm am nächsten Sonntagnachmittag zu besuchen. Also machten wir uns, bewaffnet mit Kuchen und einem Blumenstrauß, auf den Weg. Wir wurden von Herrn Weiss und seiner Frau im Kreise ihrer großen Familie überaus freundlich empfangen.

Kurt erzählte uns viele interessante Geschichten aus seinem langen Leben.
Wir haben den gesamten Nachmittag sehr genossen und möchten uns bei der Familie Weiss für die freundliche und offene Aufnahme, sowie für das uns zur Verfügung gestellte Bildmaterial herzlich bedanken.

Ursprünglich wollten wir nur über die Zeit in der Kurt Whites fuhr berichten. Da aber sein gesamtes Arbeitsleben als Fernfahrer sehr abwechslungsreich war, fänden wir es schade unseren Bericht nur auf diese Zeit zu beschränken.


Kurt machte schon 1948 seinen Führerschein als LKW-Fahrer und fuhr bis 1950 bei der christlichen Nothilfe als Fernfahrer. Von 1950 bis 1961 war er zuerst für die Firma Blaser und dann für die Fima Brandenberger, beide in Basel ansässig, unterwegs.

In den ersten Jahren musste er noch mit uralten Mercedes-LKWs, die noch Vorkriegsmodelle waren und ihm Volksmund „Wüstenschiffe“ genannt wurden, fahren. Hauptsächlich fuhr Kurt die Nord-Süd-Route, also nach Holland und Belgien.
Für die Strecke Basel-Amsterdam hin und zurück brauchte er etwa eine Woche. Erschwerend kam noch dazu, dass die LKWs solch einen Luxus wie Heizung und Türen, von einer Innenbeleuchtung ganz zu schweigen, nicht besaßen. Darum hatte er auf seinen Fahrten immer eine Karbidlampe und drei Wolldecken dabei. Unter solchen Umständen zu fahren ist für uns heute so gut wie nicht mehr vorstellbar.

Da Kurt während den Schulferien immer ein oder zwei seiner Kinder mit auf Fahrt nahm, vernagelte er kurzerhand die Beifahrertüröffnung bis zur halben Höhe mit Holzbrettern, damit seine Kinder nicht rauspurzeln konnten.
1961 übernahm Kurt für stolze 35000 Franken von der Firma Brandenburger einen Henschel Anhängerzug, mit dem er sich selbstständig machte. Im Laufe der nächsten Jahre vergrößerte er seine Firma und seinen Fuhrpark ständig.

1977 besuchte Kurt eine LKW-Präsentation bei Kleiner in Zürich. Eines der Vorführmodelle war ein White Road Commander, der Kurt so gut gefiel, dass er ihn spontan kaufte. Diesen Entschluss hat er nie bereut, weil der White was High Tech, Ausführung, Zuverlässigkeit und Design betraf, den damaligen vergleichbaren europäischen Produktionen weit voraus war. Besonders war Kurt von dem kraftvollen Cummins-Motor mit der hervorragenden Fahrleistung und dem deutlich geringeren Kraftstoffverbrauch, verglichen mit anderen Modellen, erstaunt und begeistert. Beim Erzählen betonte er immer wieder, dass es ihm sehr viel Freude bereitet hatte, mit dem White unterwegs zu sein. Aus diesen Gründen wollte er für seine Firma unbedingt noch weitere Whites anschaffen.

Als Kurt 1978, gemeinsam mit Mitarbeitern der Lastfahrzeug AG Lyss, ein White Montagewerk in den Staaten besuchte, machte er seinen Entschluss wahr und bestellte gleich drei weitere Roadcommander. Schon nach zwei Monaten wurden die Whites ausgeliefert.
Diese Whites waren mit ihren Fahrern in den folgenden Jahren auf fast allen Straßen Europas unterwegs. Sie fuhren nach Holland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Benelux- und in die Skandinavischen Länder. Auch in Spanien und Portugal waren sie anzutreffen. Zuverlässig sind die Whites Kilometer um Kilometer gefahren.

Kurts eigene Touren bewegten sich in dieser Zeit hauptsächlich innerhalb der Schweiz, nach Deutschland und in die Beneluxländer. Da er immer den gleichen White mit höher als bei uns üblich eingebauten Scheinwerfern fuhr, wurde er von vielen anderen Fahrern schon von weitem erkannt. Wenn er auf einem Rastplatz stand, kamen oft andere Fernfahrer, um seinen White zu bestaunen und zu bewundern. Oft passierte es ihm auch, dass Fahrer aus den damaligen Ostblockstaaten Kurt baten, einmal den Fahrersitz des Whites ausprobieren zu dürfen.


Während dieser gesamten Zeit hatte Kurt keine größeren Reparaturen an seinen Whites. Natürlich gab es hier und da eine verbogene Stoßstange, durch Steinschlag zersprungene Scheiben und abgefahrene Rückspiegel. In solchen Fällen hatte Kurt einen kompetenten Werkstattmeister von der Lastfahrzeug AG, Herrn Sattler, an der Hand, der die benötigten Ersatzteile schnell besorgte und einbaute.

Nachdem Kurt das Rentenalter erreicht hatte, fuhr er noch weiterhin mit einem seiner Whites, man höre und staune, bis 2003 für ein Schweizer Unternehmen.